
In wenigen Jahren hat sich die künstliche Intelligenz (KI) von einer technischen Spielerei zu einem weit verbreiteten Alltagswerkzeug entwickelt. Aber wie steht es um ihren Einsatz im Gesundheitswesen? In diesem Artikel analysieren wir die Ergebnisse unserer im Jahr 2025 durchgeführten Studie zur Nutzung von KI durch Patient:innen in der Schweiz, beleuchten Hindernisse und zeigen vor allem konkrete Chancen für Ihre Arztpraxis auf.
1. Wird KI von Patient:innen in der Schweiz tatsächlich genutzt?
Seit dem Launch von ChatGPT Ende 2022 breitet sich künstliche Intelligenz (KI) auch in der Schweiz immer stärker aus. Eine im März 2025 veröffentlichte Umfrage von Comparis zeigt, dass zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung bereits mit einem generativen Chatbot wie ChatGPT oder Gemini interagiert haben. Gemäss einer Studie der Universität Zürich Ende 2024 kennen 98 % der Schweizer:innen solche Tools.
Doch sobald es um Gesundheit geht, scheint die Schweizer Bevölkerung zögerlich: Unsere gemeinsam mit Farner und MIS Trend durchgeführte Studie zeigt, dass 74 % der Befragten keine KI in ihrem Behandlungspfad nutzen.
Der Einsatz von KI in der Gesundheitsversorgung bleibt begrenzt
Insbesondere Menschen über 55 Jahre und Personen mit einem EFZ/EBA setzen nur selten auf KI-Tools. Unter dem Viertel der Bevölkerung, das KI einsetzt, sind dies die häufigsten Anwendungsfälle:
- Medizinische Fragen an einen Chatbot stellen (16 %).
- Diagnosen vergleichen oder bestätigen lassen (11 %).
- Analyseergebnisse entschlüsseln (11 %).
- Rezepte überprüfen (7 %).
Mit anderen Worten: Selbst KI-interessierte Patient:innen nutzen diese Technologien eher als Ergänzung oder für eine Zweitmeinung – nicht als Ersatz für medizinisches Fachpersonal.
Geringes Vertrauen in medizinische KI
Nur 35 % der Befragten vertrauen der KI zumindest «ein wenig», wenn es um Diagnosen oder Therapieempfehlungen geht. Lediglich 2 % sind «vollständig überzeugt». Das Vertrauen sinkt mit zunehmendem Alter und ist bei Frauen tiefer als bei Männern.
Menschen, die bereits digitale Gesundheitsdienste nutzen (z. B. Online-Terminvereinbarungen oder das elektronische Patientendossier), zeigen doppelt so viel Vertrauen.
Die Hauptgründe für die Zurückhaltung: Angst vor schwerwiegenden Fehlern, fehlende Transparenz bei medizinischen Quellen und Bedenken beim Datenschutz. Zudem ist in der Schweiz derzeit keine KI-Lösung offiziell für medizinische Diagnosen zugelassen.
3. Ist KI eine Bedrohung für medizinische Fachpersonen?
Nein. Die Ergebnisse zeigen: Die Mehrheit der befragten Schweizer:innen steht dem Einsatz von KI im Gesundheitsbereich vorsichtig gegenüber und verlässt sich weiterhin lieber auf menschliche Diagnosen. Drei Viertel glauben nicht, dass KI Ärzt:innen arbeitslos machen wird. Diese Überzeugung ist in der Deutschschweiz (80 %) stärker verbreitet als in der Romandie (63 %) und im Tessin (64 %). Wie gesehen, geniessen menschliche Diagnosen deutlich mehr Vertrauen als solche von KI.
2. Kann KI helfen, die Gesundheitskosten in der Schweiz zu senken?
Wahrnehmung durch die Bevölkerung
Auf die Frage «Kann KI helfen, die Kosten im Gesundheitssystem zu senken?» antworten 61 % mit «Ja», doch nur 11 % sind fest davon überzeugt – insbesondere jüngere Personen zwischen 18 und 34 Jahren.
Wo sehen die Menschen Einsparpotenziale?
Am häufigsten genannte Antworten, wie KI zur Kostensenkung beitragen könnte:
- Digitalisierung und sicherer Austausch von Gesundheitsdaten: Jede zweite Person glaubt, dass automatisierte Datenflüsse Doppeluntersuchungen und Zeitverluste verhindern könnten.
- Kontrolle oder Bestätigung von Diagnosen: 53 % denken, dass KI Fehler vermeiden und damit überflüssige Behandlungen verhindern könnte.
- Schnellere Diagnosen durch Bild- oder Signalanalyse – genannt von 47 %.
- Telemedizin und Triage in Notfällen: Für 40 % ermöglicht eine schnellere Weiterleitung zur passenden Versorgungsebene Einsparungen bei Konsultationen und vermeidbaren Spitalaufenthalten.
KI – Eine Unterstützung für Schweizer Arztpraxen
Künstliche Intelligenz sollte nicht als Bedrohung oder Konkurrenz für medizinische Fachpersonen gesehen werden. Auch die Patient:innen in der Schweiz sehen das so – sie behalten ihr Vertrauen in menschliche Diagnosen und schenken KI nur wenig davon.
Das heisst jedoch nicht, dass KI keinen Platz im medizinischen Alltag hat! Sie kann Sie beispielsweise bei komplexen administrativen Aufgaben unterstützen. Wie so oft liegt der Schlüssel in einem ausgewogenen Zusammenspiel von Technologie und menschlicher Betreuung.
Methodologie der Studie
Die Umfrage wurde im März 2025 von OneDoc, Farner und MIS Trend online durchgeführt, bei einem repräsentativen Sample von 1’124 Schweizer:innen ab 18 Jahren (396 aus der Romandie, 434 aus der Deutschschweiz und 294 aus dem Tessin). Die maximale Fehlerquote beträgt ±2.9 % auf nationaler Ebene. Die Daten wurden gewichtet, um die regionale und sprachliche Repräsentativität sicherzustellen.
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