Die Telezahnmedizin gewinnt bei immer mehr Praxen in der Schweiz an Interesse. In der Praxis stellt sich jedoch oft dieselbe Frage: Ist sie für den Praxisalltag tatsächlich sinnvoll?
Die Antwort hängt stark vom Einsatz ab. Die Telezahnmedizin ersetzt selbstverständlich keine Behandlungen in der Praxis. Sie kann jedoch sehr hilfreich sein, um eine erste Einschätzung vorzunehmen oder den Verlauf zu begleiten. Entdecken Sie, in welchen Situationen Fernbehandlungen Ihnen Zeit sparen, ohne die Betreuung Ihrer Patient:innen zu beeinträchtigen.
Telezahnmedizin – was bedeutet das konkret?
Unter Telezahnmedizin versteht man den Einsatz digitaler Tools, um bestimmte Schritte der zahnmedizinischen Betreuung aus der Distanz durchzuführen.
In der Praxis lassen sich drei Hauptanwendungen unterscheiden:
- Telekonsultation zwischen Ihnen und Ihren Patient:innen
- Teleexpertise für den Austausch unter Fachpersonen
- Fernbetreuung im Rahmen einer Behandlung
Der Nutzen liegt vor allem darin, digitale Konsultationen gezielt dort einzusetzen, wo sie wirklich sinnvoll sind.
In welchen Fällen ist Telemedizin für eine Zahnarztpraxis sinnvoll?
Ob Sie sich noch in der Ausbildung zur Zahnärztin bzw. zum Zahnarzt befinden oder eine eigene Zahnarztpraxis eröffnen möchten – Telemedizin kann Ihren Alltag erleichtern. Natürlich eignet sie sich nicht für alle Behandlungsanlässe, aber in bestimmten Situationen ist sie besonders hilfreich, etwa um bei Notfällen Zeit zu überbrücken oder eine qualitativ hochwertige Nachbetreuung sicherzustellen.
Eine erste Einschätzung vor dem Termin vornehmen
Wenn sich ein:e Patient:in mit Schmerzen oder Beschwerden bei Ihnen meldet, kann ein kurzer Austausch auf Distanz bereits ausreichen, um die Dringlichkeit einzuschätzen.
Das ermöglicht:
- Patient:innen zu beruhigen
- bei Bedarf Fotos anzufordern
- erste Empfehlungen zu geben
- den weiteren Ablauf in der Praxis besser zu organisieren
In solchen Fällen hilft Ihnen die Telemedizin vor allem dabei, gezielter zu triagieren.
Eine Erstkonsultation vorbereiten
Bei neuen Patient:innen kann ein vorgängiger Austausch helfen, das Anliegen zu klären, erste relevante Informationen zu sammeln und den Termin besser vorzubereiten.
Der Vorteil: Die Konsultation in der Praxis wird zielgerichteter und effizienter.
Postoperative Nachkontrollen durchführen
Nach einer Extraktion oder einem chirurgischen Eingriff ist nicht jede Kontrolle zwingend mit einem Praxisbesuch verbunden.
Eine kurze Fernkonsultation kann helfen:
- den Heilungsverlauf zu überprüfen
- auf Fragen oder Sorgen einzugehen
- Komplikationen frühzeitig zu erkennen
Dies ist eine der einfachsten Anwendungen der Telemedizin für Zahnärzt:innen.
Bestimmte Behandlungen über längere Zeit begleiten
In bestimmten Fällen, insbesondere in der Kieferorthopädie, können regelmässig übermittelte Fotos ausreichen, um den Fortschritt zwischen zwei Terminen zu verfolgen.
Das ersetzt keine klinischen Kontrollen, kann aber unnötige Zwischenkonsultationen vermeiden.
Eine Zweitmeinung bei komplexen Fällen einholen
Auch die Teleexpertise kann einen echten Mehrwert bieten. Wenn ein Fall ausserhalb Ihres gewohnten Spektrums liegt, kann der Austausch mit einer Kollegin, einem Kollegen oder einer spezialisierten Fachperson helfen, eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Das erhöht die Sicherheit der Behandlung und verbessert gleichzeitig Ihren klinischen Komfort.
Die Vorteile der Telezahnmedizin
Der Nutzen der Telemedizin ist nicht nur technologisch. Richtig eingesetzt kann sie die Organisation Ihrer Praxis deutlich verbessern.
Sie ermöglicht insbesondere:
- Präsenztermine auf wirklich notwendige Fälle zu beschränken
- Termine mit geringem klinischem Mehrwert zu vermeiden
- den Behandlungsverlauf zu optimieren
- die Erreichbarkeit zu verbessern, insbesondere für ältere Menschen, Personen mit eingeschränkter Mobilität oder in abgelegenen Regionen
Für Patient:innen liegen die Vorteile auf der Hand: weniger unnötige Wege, schnellere Reaktionen und ein besseres Betreuungsgefühl.
Für Sie als Zahnärzt:in oder Kieferorthopäd:in liegen die Vorteile vor allem im organisatorischen Bereich.
Wann ist Telemedizin für Zahnärzt:innen nicht geeignet?
Die grösste Einschränkung ergibt sich aus der Natur Ihres Berufs: Zahnmedizinische Behandlungen erfordern sehr häufig eine Untersuchung vor Ort.
Die Telemedizin ersetzt daher weder:
- eine vollständige zahnärztliche Untersuchung
- technische Eingriffe
- Behandlungen im Mund
Sie sollte stets als Ergänzung verstanden werden. Sobald klinische Unsicherheiten bestehen oder eine Behandlung notwendig ist, bleibt eine Konsultation vor Ort selbstverständlich unerlässlich.
Wie lässt sich Telemedizin integrieren, ohne Ihre Abläufe zu verkomplizieren?
Am effizientesten ist ein schrittweiser Einstieg. Es ist nicht notwendig, Ihre gesamte Organisation auf einmal umzustellen.
In der Regel sind folgende Anwendungen am einfachsten umzusetzen:
- die Triage nicht dringender Anfragen
- postoperative Nachkontrollen
- bestimmte Vorkonsultationen
Für eine erfolgreiche Integration empfehlen wir, insbesondere zwei Punkte zu beachten:
1. Das passende Tool wählen
In der Schweiz ist der Datenschutz zentral. Die verwendete Lösung muss den geltenden Anforderungen an Vertraulichkeit und Sicherheit entsprechen, insbesondere der nLPD sowie dem Arztgeheimnis.
2. Klare klinische Grenzen definieren
Die Herausforderung ist nicht nur technischer Natur, sondern vor allem klinisch. Es gilt zu definieren, wann eine Fernbeurteilung ausreicht – und wann nicht.
Wie sieht es mit rechtlichen Rahmenbedingungen und Vergütung aus?
Rechtlich gelten dieselben Pflichten wie bei einer Konsultation vor Ort: Vertraulichkeit, Einwilligung der Patient:innen, Dokumentation und berufliche Verantwortung.
In der Praxis sollte Telemedizin heute vor allem als Instrument zur Organisation, Nachbetreuung und Verbesserung des Zugangs zur Versorgung verstanden werden.
Sollten Sie starten?
Die entscheidende Frage ist nicht, ob Sie Ihre Praxis um jeden Preis digitalisieren sollten.
Viel wichtiger ist: Welche konkreten Anwendungen könnten Ihnen bereits heute Zeit sparen, ohne Ihre Abläufe komplizierter zu machen?
Für viele Praxen liegt die Antwort in einigen wenigen, sehr praktischen Anwendungsfällen: eine erste Einschätzung, postoperative Nachkontrollen oder eine schnelle Zweitmeinung.
Oft reicht das bereits aus, damit Teledentisterie sinnvoll in den Praxisalltag integriert werden kann – ohne grosse Umstellungen.





