Ein Überweisungsschreiben ist ein wesentliches Kommunikationsmittel zwischen einem Hausarzt oder einer Hausärztin und einem Spezialisten oder einer Spezialistin. Es stellt sicher, dass alle klinisch relevanten Informationen klar, vollständig und ohne unnötige Rückfragen weitergegeben werden.
Gut strukturierte Überweisungen erleichtern es dem Spezialisten oder der Spezialistin, den Fall einzuschätzen, helfen dabei, Doppeluntersuchungen zu vermeiden, und reduzieren Verzögerungen in der Patientenversorgung. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie ein professionelles Überweisungsschreiben verfassen – effizient und in nur wenigen klaren Schritten.
Was sollte in einem Überweisungsschreiben enthalten sein?
Bevor Sie mit dem Schreiben beginnen, lohnt es sich zu wissen, welche Elemente ein vollständiges Überweisungsschreiben enthalten sollte. So lassen sich fehlende Informationen vermeiden und der Bedarf an Rückfragen durch den empfangenden Spezialisten oder die empfangende Spezialistin reduzieren.
Pflichtangaben und optionale Ergänzungen
Zu den wesentlichen Bestandteilen gehören:
- Patientenidentifikation: Name, Geburtsdatum, Adresse und, falls zutreffend, Versicherungsnummer
- Name und Kontaktdaten der überweisenden medizinischen Fachperson
- Empfänger: Name des Spezialisten oder der Abteilung sowie der Institution
- Datum der Überweisung
- Grund der Überweisung und klinische Fragestellung
- Relevante medizinische Vorgeschichte
- Aktuelle Medikation und bekannte Allergien
- Befunde wie Laborergebnisse, Bildgebung oder frühere Berichte
- Erwartete Massnahme: Beurteilung, Behandlung, Eingriff oder Nachsorge
Optionale Angaben können die Dringlichkeit der Überweisung, die Sprachpräferenzen des Patienten oder der Patientin oder bereits geplante Termine umfassen. Ein standardisiertes Format verringert das Risiko, wichtige Angaben zu vergessen, und ermöglicht es dem Spezialisten oder der Spezialistin, den Fall schneller einzuschätzen.
Formale Anforderungen in der Schweizer Praxis
Das Schreiben sollte mit einem vollständigen Briefkopf einschliesslich Praxisangaben und Datum beginnen. Verwenden Sie ein klares, gut lesbares Format mit einer Standardschrift und vermeiden Sie unerklärte Abkürzungen. Beim Versand von Überweisungsschreiben gelten die Schweizer Datenschutzanforderungen, insbesondere das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz, das seit September 2023 in Kraft ist.
Wie man ein Überweisungsschreiben in nur 5 Schritten verfasst
Ein gut strukturiertes Überweisungsschreiben erfordert keine lange Einleitung und keine ausführliche Krankengeschichte. Eine halbe Seite reicht oft aus, wenn die folgenden fünf Schritte konsequent angewendet werden.
Schritt 1: Vollständige Patienteninformationen angeben
Beginnen Sie mit allen wesentlichen Patientendaten, damit der empfangende Spezialist oder die empfangende Spezialistin sofort den korrekten klinischen Kontext hat:
- Vor- und Nachname
- Geburtsdatum
- Kontaktdaten, wie Telefonnummer und E-Mail-Adresse
- Krankenversicherungsnummer oder Patientennummer
Übernehmen Sie diese Informationen nach Möglichkeit direkt aus Ihrem Praxisverwaltungssystem. Das hilft, Übertragungsfehler zu vermeiden und spart Zeit.
Schritt 2: Den Überweisungsgrund klar und präzise formulieren
Der wichtigste Satz in einem Überweisungsschreiben ist der erste klinische Satz. Er sollte klar benennen, was Sie vom Spezialisten oder von der Spezialistin erwarten – ob es sich um eine Beurteilung, einen Eingriff, eine Zweitmeinung oder eine weiterführende Betreuung handelt.
Zum Beispiel:
Ich überweise Ihnen diesen 58-jährigen Patienten zur Beurteilung und möglichen Cholezystektomie aufgrund einer rezidivierenden Cholezystitis.
Stellen Sie sicher, dass das Schreiben widerspiegelt, was Sie mit dem Patienten oder der Patientin besprochen haben. Widersprüche zwischen dem Patientengespräch und dem Überweisungsschreiben können auf beiden Seiten zu Verwirrung führen. Ein häufiger Fehler ist die Verwendung vager Formulierungen wie „zur weiteren Abklärung“, ohne den eigentlichen Auftrag genauer zu benennen.
Schritt 3: Die relevante medizinische Vorgeschichte strukturiert darstellen
Beschreiben Sie nicht die gesamte Krankengeschichte des Patienten oder der Patientin. Konzentrieren Sie sich nur auf das, was für die fachärztliche Beurteilung relevant ist. Dazu können chronische Erkrankungen wie Hypertonie oder Diabetes, frühere Operationen sowie eine Familienanamnese gehören, sofern sie für den Überweisungsgrund relevant sind.
Bei den aktuellen Symptomen sollten Sie Folgendes angeben:
- Lokalisation
- Dauer
- Verlauf
- Qualität, einschliesslich Ausstrahlung und Intensität im Falle von Schmerzen
- Begleitsymptome
Auch relevante negative Befunde können wichtig sein. Fügen Sie aktuelle Labor- oder Bildgebungsbefunde mit Datum bei. Das Überweisungsschreiben sollte eine strukturierte Falldarstellung sein und keine rohe Konsultationsnotiz mit unerklärten Abkürzungen oder Satzfragmenten.
Schritt 4: Aktuelle Medikation und Allergien auflisten
Listen Sie alle aktuellen Medikamente mit Dosierung und Einnahmehäufigkeit auf. Bekannte Allergien oder Unverträglichkeiten sollten ausdrücklich angegeben werden. Wenn keine Allergien bekannt sind, schreiben Sie „keine bekannten Allergien“.
Dieser Schritt ist klinisch wichtig. Der empfangende Spezialist oder die empfangende Spezialistin muss mögliche Wechselwirkungen und Kontraindikationen beurteilen können, bevor eine Behandlung eingeleitet wird. Bei Überweisungen an Infektiologen kann auch der Impfstatus relevant sein.
Schritt 5: Kontaktdaten, Erwartungen und einen klaren Abschluss hinzufügen
Am Ende des Schreibens sollten Sie klar festhalten, was Sie vom Spezialisten oder von der Spezialistin erwarten: eine Diagnose, eine Zweitmeinung, einen Behandlungsplan oder eine spezifische Nachsorge.
Zum Beispiel:
Ich wäre Ihnen dankbar für Ihre fachärztliche Einschätzung zum Ausschluss einer koronaren Herzkrankheit und, falls angezeigt, für Empfehlungen zu weiteren Untersuchungen oder Therapieanpassungen.
Geben Sie auch die Dringlichkeit der Überweisung an, ob elektiv, dringend oder als Notfall. Listen Sie alle Anhänge wie Laborergebnisse, Bildgebung oder frühere Berichte auf und schliessen Sie mit Ihren vollständigen Kontaktdaten.
Praxistipp: Schreiben Sie das Überweisungsschreiben direkt nach der Konsultation, solange die Details noch frisch sind.

Beispiel für ein Überweisungsschreiben
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Was sind die häufigsten Fehler in Überweisungsschreiben?
Auch erfahrene medizinische Fachpersonen machen beim Verfassen von Überweisungsschreiben häufig dieselben Fehler. Zu wissen, was typischerweise schiefläuft, ist ebenso hilfreich wie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Häufige Fehler sind:
- Unklare Einleitung: Der Überweisungsauftrag fehlt oder ist zu vage formuliert, zum Beispiel „zur weiteren Abklärung“.
- Rohe Konsultationsnotizen: Abkürzungen, Fragmente und fehlende Struktur erschweren dem empfangenden Spezialisten oder der empfangenden Spezialistin das Lesen.
- Widerspruch zum Patientengespräch: Die Erwartungen des Patienten oder der Patientin stimmen nicht mit dem Inhalt des Schreibens überein.
- Fehlende Medikationsliste oder Allergieangaben: Diese Auslassungen können klinische Risiken verursachen.
- Zu viele irrelevante Details: Lange zurückliegende Krankengeschichten können den Leser oder die Leserin überfordern und die wesentlichen Informationen verdecken.
- Keine Angabe der Dringlichkeit: Ob eine Überweisung elektiv oder dringend ist, beeinflusst die Terminplanung erheblich.
- Fehlende Kontaktdaten: Ohne erreichbaren Absender werden Rückfragen schwierig und es kann zu Verzögerungen kommen.
Ein unvollständiges oder unklares Schreiben kann zu Doppeluntersuchungen, unnötigen Kosten und Verzögerungen in der Patientenversorgung führen. Viele Praxen führen interne Überweisungs-Audits durch; ein strukturiertes Überweisungsschreiben besteht diese problemlos.
Gibt es digitale Lösungen, um die Überweisung von Patientinnen und Patienten zu vereinfachen?
Digitale Tools können Überweisungsprozesse schneller, klarer und zuverlässiger machen. Häufig verwendete Tools sind:
- Integrierte Vorlagen, die dabei helfen, Pflichtfelder zu automatisieren, manuelle Dateneingaben zu reduzieren und sicherzustellen, dass wichtige klinische Informationen nicht vergessen werden.
- Digitale Überweisungsnetzwerke, die medizinischen Fachpersonen helfen, schnell einen geeigneten Spezialisten oder eine geeignete Spezialistin in der Nähe des Patienten oder der Patientin zu finden – basierend auf Fachgebiet, Standort und Patientenbedürfnissen.
Beide Lösungen unterstützen Sie dabei, Überweisungen effizienter, zuverlässiger und patientenzentrierter zu gestalten.
Digitale Tools ersetzen jedoch nicht das klinische Urteil. Die medizinische Indikation, die Überweisungsfrage und die Wahl des Spezialisten oder der Spezialistin bleiben in der Verantwortung der überweisenden medizinischen Fachperson. Zusätzlich bleibt es Ihre Verantwortung sicherzustellen, dass Überweisungsdokumente sicher und in Übereinstimmung mit dem Schweizer Datenschutzrecht übermittelt werden.
Das Überweisungsmodul von OneDoc Pro bietet Zugang zu einem grossen Netzwerk Schweizer Gesundheitsfachpersonen und ist vollständig konform mit den revidierten Schweizer Datenschutzanforderungen.
Fazit
Ein professionelles Überweisungsschreiben ist prägnant, strukturiert und klinisch fokussiert. Indem der Überweisungsgrund klar formuliert, nur relevante medizinische Informationen aufgenommen und Medikation, Allergien, Dringlichkeit sowie Kontaktdaten vollständig angegeben werden, können medizinische Fachpersonen die Kommunikation verbessern, Verzögerungen reduzieren und eine bessere Kontinuität der Versorgung unterstützen. Digitale Tools können den Prozess zusätzlich vereinfachen und gleichzeitig hohe Qualitäts- und Datenschutzstandards wahren.






